Neues Design an einem S-Bahn Stuttgart Zug

 „Werfen wir die Eitelkeiten über Bord“

Lichtgrau, Gelb und Cyan: Die S-Bahn Stuttgart kommt mit starken Farben. Was hat sich Julian Fordon dabei gedacht?

Bei der S-Bahn Stuttgart ist der erste Zug im neuen Außendesign unterwegs. Nach und nach wird es die ganze Flotte tragen, am Ende insgesamt 215 Fahrzeuge. Julian Fordon hat das neue Design entwickelt. Und ist dabei neue Wege gegangen.

RegioSignaleBlog: Mit dem neuen Außendesign verschwindet bei der S-Bahn Stuttgart das DB-Rot. Wie kam es dazu? Eine schwere Entscheidung?

Julian Fordon: Als DB-Eisenbahner bin ich natürlich meinem Unternehmen und seiner Erkennbarkeit verpflichtet. Aber: Der Wunsch des Verbands Region Stuttgart war ein neues und frisches Außendesign, das die S-Bahn als eigenständiges Produkt hervorhebt. Gemeinsam haben wir nach einer Lösung gesucht. Wobei für uns als Verkehrsunternehmen klar war, dass wir kein individuelles Fahrzeugdesign nur für den VRS entwickeln können.

RegioSignaleBlog: Wie sah die Lösung aus?

Julian Fordon: Wir sind beide einen Schritt zurückgetreten, DB Regio und VRS. Unser Ziel war ein grundsätzlich neutrales Design, das die Fahrgäste und ihr Bedürfnis nach Orientierung in den Mittelpunkt stellt. Wir haben ein zurückhaltendes Lichtgrau verwendet, die Türen in Kontrastschwarz abgehoben und Funktionsbereiche durch starke Farbflächen gekennzeichnet. Gelb steht für die 1. Klasse, Cyan-Blau für die Mehrzweckbereiche. Das an der Front platzierte S-Bahnlogo macht schon bei Einfahrt des Zuges klar, dass da eine S-Bahn kommt und kein anderer Zug. Als Dekor verwenden wir nur die Streifen des VRS-Logos, die dem Kopf Dynamik geben, auch das DB-Logo findet sich noch am Fahrzeug – aber das war es auch schon. Im Mittelpunkt steht die visuelle Kommunikation mit dem Fahrgast.

RegioSignaleBlog: Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger möchten beide gerne wahrgenommen werden und sich in der Farbgestaltung wiederfinden. Das macht Designfragen oft schwierig. Mit Ihrer Philosophie gehen Sie einen anderen Weg?

Julian Fordon: Wir haben uns von Hierarchiefragen frei gemacht und plädieren dafür, möglichst alle Eitelkeiten über Bord zu werfen. Unser Ansatz zielt ganz darauf ab, wie man die Fahrgäste bestmöglich leiten kann, die in der Hauptverkehrszeit an einem vollen Bahnsteig ja ohnehin ziemlich unter Stress stehen. Da hilft es, Komplexität zu reduzieren, damit alle wissen, wo im Zug welche Bereiche zu finden sind und wo sie hinmüssen. Damit wollen wir auch Haltezeitüberschreitungen entgegenwirken, die zu Verspätungen führen können. Das liegt ebenso im Interesse des Verkehrsunternehmens wie des Aufgabenträgers. Unser Anspruch bei DB Regio ist es, bei weiteren Projekten auch in diese Richtung zu denken. Wir möchten da schon eine neue Philosophie etablieren. 

RegioSignaleBlog: Wobei das Design der S-Bahn Stuttgart ja nicht nur funktional ist, sondern auch ästhetisch.

Julian Fordon: Dankeschön! Das Thema war für mich eine Herzensangelegenheit, schon weil ich von meiner Ausbildung her Produktdesigner bin. Wenn man sich als Designer an Benchmarks wie Bauhaus, Braun oder heute Apple orientiert, bewegt man sich genau auf dem schmalen Grat zwischen maximaler Funktionalität und ästhetischem Charakter. Viele von uns schätzen die Produkte von Apple – gerade deswegen, weil das Design aufs Wesentliche runtergebrochen ist. Das heißt aber nicht, dass der Weg dorthin einfach wäre. Für die S-Bahn Stuttgart haben wir weit über 50 Entwürfe erstellt, um möglichst alle Varianten zu testen.

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