Grafik Bahnhof

 Auslastungsinformationen im Öffentlichen Verkehr

BRANCHENWEITER STANDARD SOLL REGIONALE INSELLÖSUNGEN ABLÖSEN

Keine Lust, es dem Zufall zu überlassen, ob man entlang der Reisekette von einem vollen Zug in den nächsten umsteigt oder besser ganz bequem und mit gesunder Distanz zum Nachbarn ans Ziel kommt? Die Arbeitsgruppe BRAIN auch nicht – schließlich verbirgt sich hinter dem Kürzel die Brancheninitiative Auslastungsinformation, die genau das verhindern möchte.


Ginge es nach den Wünschen von BRAIN, könnten sich Fahrgäste eher heute als morgen bundesweit über aktuelle, zuverlässige und die gesamte Reisekette umfassende Auslastungsprognosen freuen. Denn die mehr als 30 Aufgabenträger und Verkehrsunternehmen, die hinter BRAIN stehen, bekennen sich nicht umsonst zu dem Motto „Wir bringen Auslastungsinformationen in den öffentlichen Personennahverkehr. Gemeinsam. Einheitlich. Verständlich.“ BRAIN sei eine tolle Arbeitsgruppe ohne Eitelkeiten, sagt Andreas Kolmer von der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). „Man diskutiert, ringt und arbeitet auf ein gemeinsames Ziel hin: Bessere Fahrgastinformationen!“

Wie die Initiative das macht, konkretisiert Denise Barthel, die das Projekt für den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg VBB begleitet. „Wir wollen von der Datenerfassung bis zur Visualisierung konsistente Fahrgastinformationen etablieren. Dafür erarbeiten wir gemeinsame Standards.“


Dies geschieht einerseits in großer Runde, andererseits aber auch in kleineren Arbeitsgruppen und regelmäßigen Workshops zu verschiedenen Fokusthemen. „Die Customer Journeys für den Kund:innenfokus, das Glossar mit den gemeinsamen Begriffsdefinitionen sowie den Berechnungsstandard mit drei Auslastungs- und drei individuell anpassbaren Komfortstufen haben wir so bereits finalisiert. Daraus werden später die Vorgaben für Ausschreibungen und Leitlinien abgeleitet“, beschreibt Luise Behrendt, Projekt-Mitarbeiterin Reisendeninformation DB Regio, das Vorgehen.


Wie detailliert der Informationsprozess dabei durchdacht und durchdrungen wird, zeigen die von Luise Behrendt erwähnten Komfortstufen, die bei der Einordnung der Auslastung in eine der drei Auslastungsstufen auf Basis von Sitz- und Stehplätzen als Stellschraube dienen: Weil in Überlandbussen keine Stehplätze erlaubt sind oder Fahrgäste in Zügen des Fernverkehrs keine Stehplätze akzeptieren, wird hier bereits eine hohe Auslastung angezeigt, sobald mehr als 75% der Sitzplätze belegt sind. In U-Bahnen hingegen geschieht das erst bei einer deutlich höheren Belegung, weil das Stehen hier allgemein akzeptiert ist und somit auch Stehplätze in die Berechnung der Auslastung einbezogen werden können.
Mittlerweile findet die Brancheninitiative auch die Unterstützung des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen VDV, der die vorgeschlagenen Standards in einer der kommenden VDV-Mitteilungen veröffentlichen wird.

Katja Machatsch, Leiterin Produktinnovation und Reisendeninformation DB Regio und Initiatorin der Arbeitsgruppe, würde gemeinsam mit ihren Mitstreiter:innen aber nicht den Hashtag #machenmachtspass im Schilde führen, wenn BRAIN jetzt abwartete, was die Branche aus den Vorschlägen macht. Im Gegenteil: In den nächsten Monaten stehen die Themen Gesamtarchitektur, Daten und Prognosen auf der Agenda, um gemeinsame Standards für die Erhebung, Verarbeitung und Bereitstellung von Auslastungsdaten zu vereinbaren. Eigentlich naheliegend. Schließlich heißt das Motto nicht umsonst „Wir bringen Auslastungsinformationen in den öffentlichen Personennahverkehr. Gemeinsam. Einheitlich. Verständlich.“