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 Wir blicken hinter die Kulissen

Wann? Wie? Wo? Keine Frage, das 9-Euro-Monatsticket bewegt die Branche und beherrscht die Schlagzeilen. Die Nahverkehrsbranche möchte diese Chance zur Zurückgewinnung von Fahrgästen nutzen und mit Attraktivität und Leistungsfähigkeit überzeugen. Wir lassen die Macher:innen zu Wort kommen und begleiten Sie auf ihrem Weg zur Einführung des neuen Tarifs. 

Dr. Jan Schilling | Langfristige Perspektive spielte eine große Rolle

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Mit Dr. Jan Schilling | 18. Mai – Nach den Diskussionen und dem Beschluss der Verkehrsministerkonferenz zum 9-Euro-Ticket hat sich nun auch der Verkehrsausschuss des Bundestages mit dem Thema und der notwendigen Änderung des Regionalisierungsgesetzes beschäftigt. In der Sachverständigenanhörung kamen dabei die für die Branche relevanten Fragestellungen rund um das 9-Euro-Ticket auch auf den Tisch – aber auch der ÖPNV-Rettungsschirm für 2022 war ein Thema, der ebenfalls gleichzeitig beschlossen werden soll, dadurch würden erneut die coronabedingten Einnahmeausfälle in diesem Jahr umfassend kompensiert.

Klar wurde, dass die Initiative rund um das 9-Euro-Ticket aus dem Entlastungspaket des Bundes primär eine sozialpolitische und weniger eine verkehrspolitische Maßnahme ist. Gleichzeitig ging es darum, ob und wie man den politischen Beschluss auch als Chance für die notwendige Verkehrswende begreifen und zu einem Erfolg werden lassen kann. Dass die Umsetzung eine riesige Herausforderung ist und den Unternehmen und Verbünden aktuell sehr viel abverlangt, war der Politik durchaus bewusst und führte dazu, dass hier seitens vieler Verkehrspolitiker nochmal ausdrücklich der Dank an die Branche ausgesprochen wurde.

Aber auch die langfristige Perspektive spielte eine große Rolle. Neben der Frage, was für Auswirkungen das Ticket konkret auf die mögliche Rückgewinnung  von Kunden hat. Dabei war die Auffassung der Sachverständigen unisono, dass primär das Angebot und nicht der Preis für die nachhaltige Nutzung des ÖPNV die maßgebliche Stellschraube ist. Aber auch die Belastung der Branche durch die immer weiter steigende Energiekosten, Materialien und Unsicherheiten nahm breiten Raum in der Diskussion ein. Hier braucht die Branche dringend eine Einigung zwischen Bund und Ländern sowie eine gesicherte Finanzierungszusage. Denn die die Unternehmen können weder beim Tarif noch beim Angebot angemessen reagieren ohne die politischen Zielsetzungen beim Klimaschutz oder Gesundheitsschutz zu konterkarieren.


Peter Zimmer | Es gibt nicht das "eine“ 9-Euro-Ticket

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Mit Peter Zimmer | 17. Mai – Die Vorbereitungen zur Umsetzung des 9-Euro-Tickets bei DB Regio Bus – in der Zentrale sowie in den Regionen - laufen auf Hochtouren. Borddrucker, Abosysteme und digitale Medien wie die Wohin-Du-Willst-App werden befähigt, das Ticket ab dem 1. Juni verkaufen zu können. In den Bordrechnern wird das Ticket als eigenes Produkt angelegt. Dabei sind regionale Besonderheiten zu berücksichtigen, wie Layout-Vorgaben der lokalen Verkehrsverbünde, Sicherheitsmerkmale und die Anordnung von Logos. So wird DB Regio Bus am Ende eine Vielzahl von unterschiedlichen 9-Euro-Tickets verkaufen. 
 
Bei den bestehenden Abo-Verträgen ist die Umsetzung eine andere. Die Fahrgäste erhalten keine separaten Tickets. Ihre bisherigen Fahrscheine werden als 9-Euro-Ticket anerkannt werden. Die Abosysteme müssen allerdings dahingehend angepasst werden, dass den Kunden im Aktionszeitraum die Summe von 9 Euro monatlich abgebucht wird anstatt der normalerweise übrigen Beträge. Das gilt für alle Formen und Produktklassen, unabhängig davon, ob es sich um einen klassischen Selbstzahler handelt, ein vom Schulwegkostenträger finanziertes Schülerticket, ein vom Arbeitgeber finanziertes Jobticket oder ein Semesterticket für Studierende. Alle Kunden werden gleichermaßen von der Aktion profitieren können.
 
DB Regio Bus, Verkehrsverbünde und wo notwendig auch Softwarehersteller ziehen gemeinsam an einem Strang. Entsprechend gut verlaufen aktuell die Vorbereitungen. Wir gehen aktuell davon aus, dass Ticket wie geplant ab dem 1.6. in allen Kanälen von DB Regio Bus vertreiben zu können.


Johann von Aweyden |„Teambuilding für den gesamten ÖPNV“

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Mit Johann von Aweyden | 16. Mai, 4:24 Minuten – Rund zwei Wochen vor dem Start des 9-Euro-Tickets zieht Johann von Aweyden eine erste Zwischenbilanz des Einführungsprozesses: Branche und Verkehrsunternehmen hätten unter enormem Zeitdruck maximal fokussiert und unglaublich konstruktiv zusammengearbeitet. „Das ist so eine Art Teambuilding für den gesamten ÖPNV gewesen – und etwas absolut Positives, das man dieser Geschichte schon jetzt abgewinnen kann.“

Von Aweyden zufolge ist das Ticket mittlerweile im Tagesgeschäft der Verkehrsunternehmen angekommen.  Man müsse zwar mit Reibungen in Vertrieb und Betrieb rechnen, insgesamt sei aber der Zeitpunkt gekommen, „an dem die Verkehrsunternehmen die vertriebliche Umsetzung hinter sich lassen können, weil es jetzt nichts Grundsätzliches mehr zu steuern gibt.“

Stattdessen rückt nun die praktische Umsetzung der Finanzierungsvereinbarungen in den Fokus. „Die Verkehrsunternehmen müssen auch liquide bleiben. Denn wenn 80 oder 90 Prozent des Fahrgeldes fehlen, muss dieses Geld woanders her kommen. Schließlich müssen 2,5 Milliarden Euro möglichst zügig bei den rund 600 Unternehmen ankommen“, umreißt von Aweyden die Lage. Die dafür nötigen Prozesse sowie die ebenfalls erforderliche Musterrichtlinie seien bei den zuständigen Bundesländern in Vorbereitung, darüber hinaus hätten viele Länder auch schon kurzfristige Liquiditätshilfen auf den Weg gebracht.

Trotzdem gebe es noch genug zu tun, resümiert von Aweyden: „Spannend in den letzten beiden Wochen bleibt, wie die Finanzierung durch den Bund ausgeht. Da gibt es noch relevante Konflikte zwischen Bund und Ländern, die angesichts der Energiepreiskrise und enorm gestiegener Produktionskosten zu Recht deutlich machen, dass es einer besseren Ausstattung mit Finanzmitteln bedarf.“
 

Dr. Jörg Sandvoß | Weiter dranbleiben!

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Mit Dr. Jörg Sandvoß | 10. Mai – Das Neun-Euro-Ticket macht Schlagzeilen. Aber leider auch solche, die wir alle nicht gebrauchen können. Es geht um die Finanzierung, um die Frage, ob die vom Bund zur Verfügung gestellten 2,5 Milliarden Euro reichen. Gleichzeitig ist der ÖPNV durch immer weiter steigende Energiekosten, Materialien und Unsicherheiten belastet, die die Branche auf 1,5 Milliarden Euro für dieses Jahr taxiert und schultern muss.

Aus diesem Grund ist es umso wichtiger, die positiven Signale des Neun-Euro-Tickets zu nutzen und es als Zeichen der Verkehrswende zu sehen. Dafür müssen wir leistungsfähig und dem Ansturm des Neun-Euro-Tickets gewappnet sein, sodass wir zeigen, dass wir für die Verkehrswende bereit sind und diese stemmen können.

Um das erreichen zu können, benötigen wir den Rückhalt der Politik und die nötigen finanziellen Mittel. Dafür setzen wir uns ein und hoffen auf eine Einigung mit dem Bund. Also: weiter dranbleiben!
 

Frank Zerban | “Liquide“ bleiben und Strohfeuer vermeiden

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Mit Frank Zerban | 2. Mai – Es geht voran! Mittlerweile konnten die wichtigsten Fragen zur Umsetzung des 9-Euro-Tickets geklärt werden und der Bund hat jetzt auch die Rahmenbedingungen für die Umsetzung präzisiert: drei monatsscharfe Tickets für Juni, Juli und August bei bundesweiter Geltung, alle Fahrgastgruppen sollten gleichermaßen von dem Ticket profitieren – gerade auch die Stammkund:innen. Und vor allem: der Bund finanziert die Aktion mit 2,5 Milliarden Euro.

Wichtig ist nun, dass nach der Zusage der Finanzierung bis spätestens zum 1. Juni auch die entsprechenden Mittel den Verkehrsunternehmen und Aufgabenträgern zugegangen sind. Sonst entstehen bei diesen Liquiditätsprobleme, die insbesondere durch den deutlich verringerten Barverkauf entstehen – denn wer wird schon noch Einzelfahrscheine kaufen? 

Neben den vertrieblichen Herausforderungen gibt es aber auch noch die betriebliche Seite. Die Aufgabenträger bereiten derzeit gemeinsam mit den Verkehrsunternehmen Aktionspläne vor, um personelle Verstärkungen und zusätzliche Fahrzeugkapazitäten im Aktionszeitraum zu ermöglichen – mit besonderem Fokus auf Wochenenden und touristische Regionen. Denn unter der Woche sind Angebotsausweitungen kaum möglich, da an diesen Tagen schon alles auf der Schiene unterwegs ist, was zur Verfügung steht. Mit den genannten Maßnahmen wollen wir möglichen Engpässen entgegenwirken - die Älteren unter uns können sich sicher noch an die teilweise extrem hohe Nachfrage zu Beginn des “Schönes-Wochenende-Tickets" erinnern. Diese Aktivitäten, die den Betrieb stabilisieren und das Reiseerlebnis der neuen und alten Fahrgäste verbessern sollen, führen zu deutlichen Mehrkosten, die voraussichtlich nicht durch die Einnahmen aus dem 9-Euro-Ticket abgedeckt werden können. Daher benötigen wir auch, gegen Nachweis, noch weitere Gelder des Bundes. Schließlich wollen wir doch alle, dass das 9-Euro-Ticket auch bei den Fahrgästen gut ankommt – und vor allem in guter Erinnerung bleibt. 



Johann von Aweyden | „Bleiben Sie entspannt, es wird schon klappen.“

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Mit Johann von Aweyden | 2. Mai, 4:53 Minuten – Einen Monat vor dem anvisierten Start des 9€-Tickets zieht Johann von Aweyden Zwischenbilanz: Die Debatte um die Einführung habe die verkehrspolitische Diskussion zwischen Bund und Ländern zwar enorm befeuert. Die Branche sei hier aber auch nur Zuschauerin. Ihre Aufgabe bestehe viel mehr darin, politische Initiativen umzusetzen – und deshalb sei es an der Zeit, einen Blick in den Maschinenraum der Verkehrsunternehmen und -verbünde zu werfen.


Dort arbeiten von Aweyden zufolge gegenwärtig alle daran, „das Ticket in den Verkauf zu bringen“ und sich auf den erwarteten Andrang vorzubereiten. Beides sei alles andere als trivial. Im Vertrieb werde insbesondere die Erstattung der bereits geleisteten Zahlungen an die Abonnent:innen werde viel Arbeit machen. „Die Mitarbeiter:innen in den Vertriebszentren werden alle Hände voll zu tun haben. Man kann jetzt schon sagen, dass es dort definitiv zu Kapazitätseinschränkungen für die Kunden kommen wird“, prognostiziert von Aweyden. Seine Botschaft an die Fahrgäste: „Bleiben Sie entspannt, es wird schon klappen.“


Im Betrieb kommen ebenfalls hohe Anforderungen auf die Mitarbeitenden zu . „Viele werden das Ticket ausprobieren wollen, Verkehrsunternehmen und Aufgabenträger versuchen deshalb alles, um an den erwarteten Engstellen im Netz möglichst viele Fahrzeuge parat zu haben“, beschreibt von Aweyden die anstehenden Herausforderungen, gibt sich insgesamt aber zuversichtlich: „Das 9 für 90 Ticket ist ein großes Experiment und ich bin gespannt, was dabei herauskommen wird.“

Johann von Aweyden | Eckpunkte der Finanzierung sind geklärt

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Mit Johann von Aweyden | 12. April, 3:16 Minuten – Die Bund-Länder-Arbeitsgruppe tagt weiter, aber zentrale Eckpunkte der Finanzierung des 9-Euro-Monatstickets scheinen inzwischen geklärt: Der Bund wird neben den bereits erhöhten Regionalisierungsmittel weitere Finanzierungsmittel bereitstellen. Im Gespräch ist ein Volumen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

Damit lassen sich nicht nur Mindereinnahmen ausgleichen, sondern auch Maßnahmen für den Vertrieb finanzieren. Die bislang offenen Fragen in Bezug auf das europäische Beihilferecht sind ebenfalls beantwortet: Die Finanzierung stellt keine europarechtswidrige Subvention dar und ist damit rechtskonform.

Darüber hinaus wird auf die Tarifgenehmigung verzichtet. Dadurch gewinnen die Länder Zeit bei der Umsetzung, weil der Genehmigungsprozess entfällt. In Hinblick auf die Gestaltung zeichnet sich ebenfalls ab, wohin die Reise geht: Die Tickets werden nicht gleitend, sondern monatsscharf als Juni-, Juli- und Augusttickets ausgestellt, Semestertickets werden ebenfalls mit einbezogen. Für Schulwegkostenträger-Zeitkarten ist hingegen kein Nachlass vorgesehen, da die beschlossenen Entlastung den Bürger:innen, nicht aber Einrichtungen zugute kommen sollen. Fragen, die sich aus dem Sozialgesetzbuch (SGB9) ergeben und die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen betreffen, werden nicht vom Verkehrssektor geklärt. Sie bleiben Sache des Gesetzgebers.

Noch offene Tarif- und Vertriebsdetails werden voraussichtlich in der nächsten Sitzung der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft geklärt. Der VDV wird dazu ein erläuterndes Papier für politische Entscheidungsträger:innen verfassen. Weiterer Abstimmungs- und Koordinationsbedarf besteht in Hinblick auf die Entwicklung gemeinsamer Kampagnen und Sprachregeln. Darunter fällt unter anderem auch die Festlegung des Verkaufsbeginns.

Hier gibt’s Johann von Aweydens Statement im O-Ton. Reinhören lohnt sich!

Johann von Aweyden | Warum Hochdruck nicht genügt

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Mit Johann von Aweyden | 30. März – „Land und Verbünde arbeiten mit Hochdruck an der Umsetzung!“ Warum das allein nicht genügt, um das 9-für-90-Ticket unter die Leute zu bringen, erläutert der Geschäftsführer des Deutschen Tarifverbunds in knackigen zwei Minuten. Außerdem hat er noch einen richtig guten Tipp für Stammkunden auf Lager.