aufmacheroptik

 Blog macht Appetit auf Verkehrswende

Kommunen suchen oft lange nach den passenden Zutaten für die Mobilitätswende. Fünf Schweizer Mobilitätsprofis helfen mit einem Blog und einfachen Rezepten weiter.

Kochbücher gibt es viele. Rezepte auch. Aber Kochbücher mit einfachen Rezepten für die Verkehrswende? „Fehlen!“, haben fünf Hobbyköche aus der eidgenössischen Mobility-Szene festgestellt, sich gleich an die Arbeit gemacht und die Internet-Community um  Rezeptideen gebeten. Herausgekommen ist www.schrittmacher.in, ein Blog mit Rezepten, die nicht nur Appetit auf Verkehrswende, sondern auch Lust auf die Umsetzung machen. 

Tatsächlich beweisen die Autor:innen eindrucksvoll, dass viele Köche nicht zwangsläufig den Brei verderben. Was vor allem daran liegt, dass sie es nicht bei einer losen Sammlung von Best-Practice-Beispielen oder Handlungsanleitungen für einzelne Maßnahmen belassen – sondern auch wissen, worauf es bei einem guten Menü ankommt: Gute Zutaten allein genügen nicht, die Gänge müssen auch harmonieren. Außerdem sollte ein guter Starter Lust auf mehr machen. 

Roadmap zur Mobilität von Morgen  
Beides passiert mit dem „Starterkit für die Mobilität von Morgen“, den das Team im Blog und praktischerweise auch als PDF serviert. „Wenn wir die Mobilitätswende einleiten wollen, müssen wir im Heute beginnen, mit den Mitteln, die uns jetzt zur Verfügung stehen. Welche das sind, möchte dieses Starterkit Gemeinden und interessierten Personen einfach zugänglich machen“, heißt es im Vorwort. 

Was folgt, sind nachahmenswerte Beispiele, konkrete Handlungsanweisungen und Roadmaps, aber auch Warnung vor Projekten, in die man in der Startphase besser keine Energie investiert. Stattdessen legen die Autor:innen den  Schwerpunkt auf Themen, die sich im „Hier und Jetzt“ mit überschaubarem Aufwand und wenig Widerstand umsetzen lassen. Dazu gehört auch die Empfehlung, neue Mobilitätsformen erlebbar zu machen oder temporäre Maßnahmen für Experimente zu nutzen.  Ob das hierzulande auch für den Rat gilt, einfach mal „auszuprobieren und zu machen“, steht auf einem anderen Blatt.  

Rezepte mit Nährwert 
Trotzdem: Auch wenn sich die konkreten Handlungsempfehlungen auf die Schweiz beziehen und in Deutschland nur selten eins zu eins umgesetzt werden können, bieten die Rezepte viel Nährwert. Das gilt erst recht für die Roadmap, die das Team interessierten Kommunen mit auf den Weg gibt. Sie beginnt mit der Empfehlung, zu definieren, was die Mobilitätswende für die Gemeinde bedeutet, lässt heiße Eisen wie den Abbau von Parkplätzen oder die Identifizierung der drei größten Verkehrsverursacher vor Ort nicht aus und endet mit dem Rat, ÖV-Ausschreibungen um Sharing-Leistungen zu ergänzen. 

Davon abgesehen, haben die Autor:innen Denise Belloli, Tobias Bowald, Thomas Hug, Julian Renninger und Thomas Sauter-Serva aber auch einen erfrischend pragmatischen Tipp auf Lager: „Sie müssen das Rad nicht neu erfinden! Für viele Bausteine der Mobilitätswende gibt es hervorragende Umsetzungsbeispiele im In- und Ausland. Warum nicht die Gelegenheit nutzen und diese vor Ort selbst erleben? Eine gemeinsame Reise mit den relevanten Stakeholdern hat eine ganz andere Überzeugungskraft als theoretische Konzeptpapiere.“