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  Spannender Auftakt für „Ultimo“

25 Millionen Euro lässt sie die EU das europaweite Projekt zum Betrieb autonomer Flotten kosten, weitere 16 Millionen kommen aus der Schweiz. Projektkoordinator Lars Abeler kennt die Einzelheiten.

Es ist ein großer Fördertopf, den 23 europäische Partner aus Industrie, Wissenschaft und der ÖPNV-Branche mit Ultimo an Land gezogen haben. Umgesetzt wird das Projekt zum Betrieb autonomer Flotten in Norwegen, der Schweiz und Deutschland. Die Anzahl der Fahrzeuge soll bis auf 45 vollautomatisierte autonome Shuttles (Level 4) anwachsen, die mit bis zu 60 km/h unterwegs sein werden. Koordiniert wird Ultimo von Ingolstadt aus, wo der Bereich „Innovative Verkehrskonzepte“ von DB Regio Bus seinen Sitz hat. Kurz vor dem offiziellen Start am 30. November in Brüssel erläuterte Projektkoordinator Lars Abeler, worum es bei Ultimo im Einzelnen geht.  

RegioSignaleBlog: Herr Abeler, Sie stecken gerade mitten in den Vorbereitungen für den Ultimo-Auftakt. Was passiert da in Brüssel und wer ist dabei? 

Lars Abeler: Es treffen sich die Projektleiter von allen 23 Partnern und vonseiten der EU-Kommission wird auf jeden Fall der Project Officer, Pedro Alfonso Pérez Losa, kommen. Gemeinsam als Konsortium präsentieren wir noch einmal die Ziele und Visionen von Ultimo, alle Partner stellen sich mit ihren Arbeitspaketen dann auch einzeln vor.  

RegioSignaleBlog:  Mit 25 Millionen Euro aus Brüssel und noch einmal 16 Millionen Euro aus der Schweiz über eine Laufzeit von vier Jahren ist Ultimo ein großes Förderprojekt. Welche Erwartungen werden daran geknüpft?  

Lars Abeler: Ultimo vermeidet Einzelförderungen nach dem Gießkannenprinzip und setzt das Projekt in einem größeren Maßstab an. Inhaltlich ist das Ziel, die Wirtschaftlichkeit autonomer Verkehre zu stärken. Besonders interessant für die EU ist der Aspekt der Standardisierung und offener Schnittstellen, um unterschiedliche Fahrzeugtypen und -generationen einfach implementieren zu können. Eingebettet ist Ultimo in den größeren Zusammenhang der Verkehrswende. Der ÖPNV muss ausgebaut werden, aber wir haben einen erheblichen Fahrermangel und manche Verkehre können schon heute nicht bedient werden. Mit autonomen Fahrzeugen entsteht eine neue Mobilitätsform, die viele Chancen bietet, wenn sie effizient und mit Fokus auf die Erwartungen und Bedürfnisse der Nutzerinnen und Nutzer umgesetzt wird.  

RegioSignaleBlog: Wie hat sich das Konsortium gefunden und wie koordinieren Sie die Projektarbeit?  

Lars Abeler: Der wesentliche Anstoß kam von der Universität Genf, die mit „Avenue“ ein ähnlich gelagertes EU-Förderprojekt koordiniert hat. Ultimo knüpft in Teilen daran an. Die Universität Genf ist auch an Ultimo beteiligt und hat uns, also DB Regio Bus, als Konsortialführer vorgeschlagen, weil wir das Potenzial und viel Expertise im Bereich Autonome Verkehre haben. Was die Koordination angeht: Wir haben ja in der Corona-Zeit alle gelernt, wie man im virtuellen Raum gut zusammenarbeitet. Ergänzend dazu treffen wir uns auch persönlich, im Oktober hatten wir beispielsweise in Frankfurt a. M. schon einen Workshop mit allen Partnern.   

RegioSignaleBlog: Die konkrete Umsetzung wird in drei sehr unterschiedlichen Verkehrsräumen erfolgen, nämlich in Kronach in Oberfranken, in Genf und in Oslo. Dieses Design lässt auf eine vergleichende Untersuchung schließen.  

Lars Abeler: Sicher, aber zu Beginn werden die Projektgebiete noch sehr ähnlich sein. In Oslo werden wir zum Beispiel an den Stadtrand gehen und nicht in die Innenstadt. Trotzdem wird der Vergleich eine wichtige Rolle spielen. Wie entwickelt sich wo die Nachfrage? Wie sind in den jeweiligen Projektgebieten die Anforderungen an ein autonomes Angebot? Spannend ist aber auch der rechtliche Kontext, weil die Gesetzeslage zum autonomen Fahren unterschiedlich ist.  

RegioSignaleBlog: Die Flotte in den drei Projektgebieten soll schrittweise auf je 15 Fahrzeuge wachsen. Warum schrittweise und welche Fahrzeuge werden zum Einsatz kommen?  

Lars Abeler: Wir wollen über die komplette Projektlaufzeit Erfahrungen sammeln. Für das vollautomatisierte Level 4 ohne Sicherheitsfahrer gibt es keine Fahrzeuge, die wir sofort nehmen könnten, der Markt entwickelt sich gerade erst. Mit Navya und Sensible 4 haben wir zwei Hersteller im Konsortium und werden deren Fahrzeuge auch einsetzen. Wir sind aber nicht herstellergebunden und können auch andere Fahrzeuge integrieren. Es gehört ja zum Ansatz von Ultimo, unterschiedliche Fahrzeuge unterschiedlicher Generationen an einem Standort zu betreiben.  

RegioSignaleBlog: Wer wird am Ende des Projekts wie von Ultimo profitieren?  

Lars Abeler:  Die Verkehrsunternehmen, weil das Projekt zu einer effizienten Implementierung und zu einem effizienten Betrieb beitragen soll, und natürlich die Fahrgäste, denn ein effizienter Betrieb schafft die Voraussetzungen für mehr und ein besseres Angebot. Dabei ist uns die Nutzerperspektive sehr wichtig, auch in Einzelaspekten wie beispielsweise der Frage, welche Anforderungen autonome Verkehre für sehbehinderte Menschen erfüllen müssen. Zur Öffentlichkeitsarbeit gibt es ein eigenes Arbeitspaket. Wir wollen darüber informieren, wie autonome Verkehre funktionieren und welche Chancen sie bieten. Und wir wollen besonders auch die Branche mitnehmen und in Veranstaltungen und Fachmedien unsere Erkenntnisse teilen. Ein erster Termin steht schon im März in meinem Kalender, beim Verband Deutscher Verkehrsunternehmen.