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 „OneStopShop für mobilitätsrelevante Daten“

Der Mobility Data Space ist ein Raum für alle, die Mobilität nachhaltiger und sicherer gestalten wollen. Moritz Stober verrät, warum sich Mitmachen lohnt.

Moritz Stober ist Senior Manager for Strategic Projects bei der Akademie für Technikwissenschaften und hat den Mobility Data Space beim jüngsten regiosignale-Kongress vorgestellt. 

RegioSignaleBlog: Herr Stober, wie würden Sie den Mobility Data Space in aller Kürze beschreiben?  

Moritz Stober: Der Mobility Data Space fußt auf zwei Pfeilern. Einerseits bieten wir eine digitale Infrastruktur, auf der Daten souverän, sicher und dezentral gehandelt werden können. Andererseits ist unsere Community, also die teilnehmenden Unternehmen, der Antrieb der innovativen Kraft des Mobility Data Space. Wir bringen Anbieter- und Konsument:innen mobilitätsrelevanter Daten zusammen und fördern die datengetriebene Entwicklung innovativer Mobilitätslösungen. In a Nutshell – im Mobility Data Space entstehen die digitalen Mobilitätsservices der Zukunft. 

Moritz Stober
Moritz Stober


RegioSignaleBlog: Was muss man sich unter mobilitätsrelevanten Daten vorstellen? 

Moritz Stober: Letztlich die Summe aller Daten, die auf die Mobilität der Bürger:innen Einfluss haben. Welche Daten das konkret sind, ist jedoch nicht zwingend trivial – und das Ergebnis ist meistens vielschichtiger, als es anfangs scheint. Multimodale Mobilität ist dafür ein gutes Beispiel, weil es eben um viele unterschiedliche Fahrzeugoptionen geht. Denn Sie wollen ziemlich sicher nicht Roller fahren, wenn es regnet. Sie wollen die U-Bahn wahrscheinlich auch nicht mit Tausenden von Fußballfans teilen oder per Car-Sharing ein Ziel ansteuern, an dem es keinen Parkplatz gibt. Sie brauchen also einen ganze Menge Daten aus verschiedenen Quellen, um überzeugende, anwendungsspezifische Lösungen für Bürger:innen bzw. Kund:innen zu entwickeln. Genau da setzt der Mobility Data Space an.  

RegioSignaleBlog: Gibt es schon Anwendungen, die im Mobility Data Space realisiert worden sind? 

Moritz Stober: Absolut. Einige Autohersteller machen die Sensordaten ihrer Fahrzeugflotte zugänglich, so dass andere Verkehrsteilnehmer schneller auf Gefahrensituationen wie Straßenschäden, Wetterumschwünge oder Unfälle reagieren können. Ein weiteres Beispiel ist die Mobilitätsplattform FREE NOW, die über den Mobility Data Space Daten des Deutschen Wetterdienstes bezieht. Regnet es, empfiehlt die Plattform ihren Kund:innen eher schlechtwettertaugliche Optionen. Scheint die Sonne, priorisiert sie eher Roller oder Fahrrad. Nach ähnlichem Muster arbeiten wir gerade gemeinsam mit Autoherstellern und Ladesäulen-Anbietern an einer digitalen Lösung, die batteriebetriebene Fahrzeuge sicher zur nächsten freien und nicht zugeparkten Ladesäule lotst. Um dies leisten zu können, müssen sehr präzise und jederzeit verfügbare Daten aus unterschiedlichen Quellen verarbeitet werden.  

RegioSignaleBlog: Werfen wir einen Blick auf die Schiene, wo ETCS, ATO und Co jede Menge Daten generieren. Das wäre doch sicher gutes Material für den Mobility Data Space, oder? 

Moritz Stober: Nicht nur das. Der Deutsche Bahn Konzern verfügt über einen enormen Fundus an Daten, der für viele Akteure im Mobilitätsbereich spannend wäre. Wir sind fest davon überzeugt, dass es sehr viele Abnehmer für Daten der Deutschen Bahn gäbe und dass in ihnen ein enormes Monetarisierungspotenzial steckt. Denken Sie beispielsweise an die öffentlichen Verkehrsgesellschaften an den Ziel- und Abfahrtbahnhöfen. Mit einer stabilen Datengrundlage könnten die Mobilitätsangebote rund um Großevents passgenau zur Verfügung gestellt werden. Wir freuen uns daher über das Engagement der Deutschen Bahn im Mobility Data Space. 

RegioSignaleBlog: Sharing ist weit verbreitet und mittlerweile in nahezu allen Bereichen des täglichen Lebens etabliert. Gilt das auch für die Bereitschaft, Daten zu teilen? 

Moritz Stober: Die Kultur des Datenteilens ist in Deutschland industrieübergreifend ein Riesenthema und mit vielen offenen Fragen verbunden. Wir sitzen hier auf Datenschätzen, in denen ein enormer unternehmerischer Mehrwert schlummert. Der Mobility Data Space macht es möglich, diese Daten verfügbar zu machen und einem gesellschaftlichen Nutzen zuzuführen. Es ist schließlich nicht so, dass Unternehmen ihre Daten bei uns gratis zur Verfügung stellen müssen. Im Gegenteil. Wir sind ein Marktplatz für Mobilitätsdaten. Zu welchen Konditionen Daten mit wem geteilt werden, kann jeder Teilnehmer selbst entscheiden. Denn im Mobility Data Space gilt Vertragsfreiheit. 

RegioSignaleBlog: Bundeskanzler Olaf Scholz hat den Mobility Data Space in seiner europapolitischen Grundsatzrede in Prag zum Leuchtturmprojekt geadelt. Was macht den Datenraum zum Leuchtturm? 

Moritz Stober: Der Mobility Data Space wird mehrfach in der Digitalstrategie der Bundesregierung erwähnt und ist auch Leuchtturmprojekt. Im kommenden Jahr werden wir den National Access Point (NAP), in Deutschland auch Mobilithek genannt, an den Mobility Data Space angebunden haben. Damit stellen wir sicher, dass alle Mitglieder des Mobility Data Space bei der Entwicklung digitaler Geschäftsmodelle, Services oder Apps künftig auch auf die Daten der Mobilithek zugreifen können. Damit werden wir zu einem „OneStopShop“ für alle mobilitätsrelevanten Daten in Deutschland und perspektivisch auch in Europa.  

RegioSignaleBlog: Was passiert mit dem Mobilitäts Daten Marktplatz, der Datengebern und Datennehmern bisher zur Verfügung stand? 

Moritz Stober: Die Mobilithek löst ihn als Nationalen Zugangspunkt für Mobilitätsdaten ab. Gleichzeitig setzt sie auch die Anforderungen aus den delegierten Verordnungen zur europäischen Richtlinie für Intelligente Verkehrssysteme und die Vorgaben des novellierten Personenbeförderungsgesetzes um.   

RegioSignaleBlog: Scholz hat in Prag einen European Mobility Data Space ins Spiel gebracht. Ist das realisierbar oder eher Zukunftsmusik? 

Moritz Stober: Beides! Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, also mein Arbeitgeber, hat gemeinsam mit anderen Konsortialpartnern ein Förderprojekt eingeworben, in dem es um die Frage geht, wie sich ein European Mobility Data Space realisieren lässt. Daneben arbeitet der Mobility Data Space ganz konkret an der Anbindung weiterer Mobilitätsdatenräume in Europa. Mobilität endet nicht an den nationalstaatlichen Grenzen, also müssen wir auch Mobilitätsdaten und -services europäisch denken. Nur so kann die europäische, digitalisierte Mobilitätswende gelingen! 

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