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 „Mit Selbstironie kommt man weiter“

Wenn Oliver Funke mal keine Lok steuert, nimmt er die Bahn mit Memes und Figuren wie Nora Notfallwasser auf die Schippe. Seinen knapp 18.000 Insta-Followern gefällt’s.

RegioSignaleBlog: Es ist früher Vormittag, aber auf Insta hat mich schon Ihr erstes Meme begrüßt. Wann geht bei Ihnen denn die Meme-Schicht so los? 

Oliver Funke: Das ist eigentlich jeden Tag anders. Mal entstehen die Memes ganz spontan, steht ein besonderes Ereignis wie zum Beispiel der Fahrplanwechsel an, produziere ich aber auch mal im Voraus. Im Schnitt ist es wahrscheinlich fifty/fifty und meistens gehen die Memes am Vormittag raus. Das ist einfach die beste Zeit, weil man die meisten Leute erreicht. Nachts um vier ist halt keiner wach und Nachtschicht für das Hobby mag ich auch nicht (lacht) …  

RegioSignaleBlog: Wo nehmen Sie die Ideen her? Auf Skurriles wie die Debatte, ob Hamburg-Dammtor nun ein Bahnhof ist oder nicht, muss man ja auch erstmal kommen. 

Oliver Funke: Diese Geschichte zum Beispiel ist aus der Interaktion mit der Community heraus entstanden. Das passiert gar nicht mal so selten. In dem Fall hatte einer nach Lieblingsbahnhöfen gefragt und ich habe dann Dammtor angegeben. Dann ging sofort die Flachserei los, dass Dammtor ja nicht einmal eine Weiche hätte und deshalb eigentlich nur ein Haltepunkt sei … so was greife ich dann gerne in Memes auf und daran haben auch viele meiner Follower Spaß, ganz gleich, ob sie nun echte Bahn-Nerds sind oder nicht. Ansonsten bin ich ein leidenschaftlicher Bahnfahrer, sowohl an der Zugspitze als auch im Fahrgastraum. In der Bahn kommt der ganze Querschnitt der Gesellschaft zusammen und so entstehen immer wieder Situationen, mit denen jede Person schonmal ihre Erfahrungen hatte. Die Themen für neue Ideen sind tatsächlich sehr vielfältig und mit der dazugehörigen Prise Kreativität geht es dann seinen Gang! 

RegioSignaleBlog: Sie erfinden für Ihre Memes auch Figuren, die es bei Ihren Followern schon zu Prominenz gebracht haben. Nora Notfallwasser zum Beispiel. Wie geht es Nora, und wie sind Sie überhaupt auf sie gekommen? 

Oliver Funke: Nora muss sich gerade ein bisschen erholen. Deshalb habe ich sie in letzter Zeit geschont. Aber wenn sich ein Thema anbietet, hat sie auf jeden Fall wieder einen Auftritt. Als Figur nimmt Nora Notfallwasser mit einem Augenzwinkern Dinge aufs Korn, die meistens dann ins Spiel kommen, wenn eine Bahnreise nicht so reibungslos verläuft wie gedacht. Dazu gehören eben die Wasserration für Notfälle, die Mini-Tafel Rittersport als kleines Trostpflaster oder eben auch der Schienenersatzverkehrsbus. Die Figuren habe ich dann unter der Rubrik „Spielzeug, das nie über den Prototypenstatus hinausgekommen ist“ vorgestellt. 

RegioSignaleBlog: Mit Ihren Memes greifen Sie öfters Ereignisse auf, die man eher nicht an die große Glocke hängt. Ist das ein Plädoyer dafür, entspannter zu bleiben, wenn mal was schief läuft?  

Oliver Funke: Im Bahnbetrieb kommt es immer mal wieder zu Problemen. Das gehört dazu und das sollte man auch nicht verschweigen. Ich glaube aber, dass man mit Selbstironie und einem Augenzwinkern oft mehr Verständnis schaffen kann. Beides ist aber immer eine Gratwanderung, weil Selbstironie ein Gespür für das richtige Maß und die geeigneten Themen voraussetzt. Man darf’s halt nicht übertreiben und muss erkennen, ab wann man besser professionell und deeskalierend in der Kommunikation auftritt. 

RegioSignaleBlog: Wie gut funktionieren Memes jenseits der eigenen Bubble? 

Oliver Funke: Das meiste bleibt schon in der eigenen Blase. Aber wenn ein Meme viral geht, gewinnt es eben auch eine riesige Reichweite und erreicht entsprechend viele Menschen. Ein paar Mal ist mir das schon passiert. Das sind dann die Momente, in denen es richtig Spaß macht, weil man dann sieht, wie Eisenbahner:innen, ihre Kund:innen und anderweitig an der Bahn Interessierte zusammenfinden.   

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