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 „Man kann wirklich was bewegen“

Als Bauingenieurin hat Anna Pfund ständig mit Beton zu tun, aktuell im Tunnelbau für die zweite Stammstrecke der S-Bahn München. Manchmal baut sie aber auch Kanus aus Beton. Wenn Anna Pfund gerade mal nicht arbeitet, teilt sie ihre Leidenschaft für die Bahn liebend gern auf Social Media. Die Allianz pro Schiene hat sie deshalb zu einer von 14 Bahnbotschafter:innen gekürt – den sogenannten Trainfluencern.

RegioSignaleBlog: Frau Pfund, vor unserem Gespräch habe ich einen Blick auf Ihre LinkedIn-Bio geworfen. Darin steht, dass Sie mal ein Kanu aus Beton gebaut haben. Ich wusste bisher nicht einmal, dass Beton überhaupt schwimmt.

Anna Pfund: Ja, stimmt – das Beton-Kanu. Das habe ich während meines Bachelor-Studiums zusammen mit ein paar Studienkolleg:innen gebaut. Das besondere an unserem Modell war, dass wir es morgens hergestellt haben und am selben Mittag die Regatta gefahren sind. Das ging nur mit einer schnell härtenden Betonmischung und hat uns dann auch den ersten Platz in der Konstruktionswertung beschert. Bei der Regatta selbst waren wir dann zwar nicht so erfolgreich. Aber dafür hatten wir alle viel Spaß.

RegioSignaleBlog: Allein auf die Idee zu kommen, setzt aber auch ein Faible für Baustoffe voraus, oder?

Anna Pfund: Natürlich. Ich bin ja Bauingenieurin. Da muss man schon ein gewisse Leidenschaft für Beton, Stahl, Holz und all die anderen Materialien mitbringen, mit denen man täglich umgeht. Bei mir ist das jedenfalls so und für mich gehört es auch einfach dazu.

RegioSignaleBlog: Die Geschichten, die sie als Trainfluencerin erzählen, beginnen öfters mal mit Material wie Schotter, Schienen oder Spritzbeton. Ist das ein guter Kniff, um Menschen das Große Ganze nahezubringen?

Anna Pfund: Es mag vielleicht wie ein Kniff scheinen. Aber ich selbst habe das nie so gesehen. Ich möchte für die Eisenbahn begeistern und zeigen, wie durchdacht alles sein muss, damit am Ende Züge rollen können. Schotter ist dafür ein tolles Beispiel, weil man ihm nun wirklich nicht ansieht, wie wichtig er für die Stabilität der Gleise und damit für die ganze Eisenbahn ist. Auf solche Dinge möchte ich hinweisen und zeigen, das auch kleinste Details ineinandergreifen müssen – und zwar so, dass sich auch Personen ohne technischen Hintergrund angesprochen fühlen können. 

RegioSignaleBlog: Sie möchten aber auch Ingenieur:innen in spe oder Kolleg:innen aus anderen Branchen für die Bahn gewinnen. Was erzählen Sie denen?

Anna Pfund: Für Bauingenieure ist die Branche super interessant, weil die Eisenbahninfrastruktur sowohl Instand gehalten, erneuert als auch ausgebaut werden muss. Die Aufgaben sind abwechslungsreich, die Projekte unglaublich spannend, so wie bei mir jetzt hier bei der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. Man kann wirklich was bewegen. Auch in übertragenem Sinne: Ich kann die Stadt, in der ich lebe, mitgestalten und dazu beitragen, die Verkehrswende ein Stück weiter voran zu bringen. Dass von meiner Arbeit so viele Menschen profitieren können, treibt mich persönlich an. Deshalb rühre ich für die Branche auch immer gerne die Werbetrommel.

RegioSignaleBlog: Wird Eisenbahnbau hipp, weil es jetzt nicht mehr um Gleisbett und Tunnel, sondern um die Verkehrswende geht?

Anna Pfund: Den Eindruck kann man jedenfalls gewinnen. Früher bin ich im privaten Umfeld eher selten auf Menschen gestoßen, die meine Arbeit interessant fanden und sich mit mir darüber unterhalten wollten. Das hat sich in den letzten zwei Jahren völlig verändert, weil die Bahn und der Bahnbau durch die Verkehrswende einen ganz anderen gesellschaftlichen Stellenwert erhalten haben. Das merke ich nicht zuletzt daran, dass die Bahn als Arbeitgeberin immer attraktiver geworden ist. Die Leute wissen, dass sie dort einen nachhaltigen Job haben. Gleichzeitig ist der Bau der zweiten Stammstrecke DAS Großprojekt in der Region. Die Leute stehen dahinter, sind überzeugt, dass die Strecke für den Ausbau des Nahverkehrs gebraucht wird und finden es gut, dass hier soviel für den Nahverkehr getan wird.

RegioSignaleBlog: Werden dann auch bald mehr Bauingenieurinnen auf den Baustellen zu sehen sein? 

Anna Pfund: Mehr Frauen für technische Berufe und die Eisenbahnbranche zu begeistern, ist mir eine Herzensangelegenheit und ich fände es schön, wenn der Frauenanteil auf den Baustellen weiter steigen würde. Der ist leider immer noch sehr gering. Schaut man genauer hin und differenziert nach Altersgruppen, stellt man aber fest, dass der Anteil der Ingenieurinnen in den jüngeren Altersgruppen deutlich gestiegen ist. Das gilt auch für das Team der Deutschen Bahn hier bei der Stammstrecke, in dem wirklich  relativ viele Frauen beschäftigt sind. Es tut sich also was, und das ist auch gut so.